Film und Psychoanalyse - Themenreihe „Alles was Recht ist“ - Primal Fear

 

Das ausführliche Programm der aktuellen Themenreihe finden Sie hier.

 

Themenreihe "Alles was Recht ist"

 

Primal Fear | USA 1996 | R: Gegory Hoblit| B: Steve Shagan, Ann Biderman, William Diel| K: Michael Chapman |M: James Newton Howard| D: Richard Gere, Edward Norton, Laura Linney| 125 min |

 

Ein Staranwalt (Richard Gere) übernimmt pro bono die Verteidigung eines jungen Messdieners (Edward Norton in seiner ersten Spielfilmrolle), der beschuldigt wird, den angesehenen Erzbischof von Chicago brutal ermordet zu haben. Im Zentrum des Filmes steht eine klassische US-amerikanische Gerichtsverhandlung als Duell zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung vor den Geschworenen. Die zentrale Frage von Schuld und Unschuld scheint sich gelungen aufzulösen, als der Angeklagte unter Stress direkt im Gerichtssaal eine klassische dissoziative Persönlichkeitsstörung zeigt, bei der zwei voneinander getrennt gehaltene Teile der Persönlichkeit nebeneinander auftreten können – Schuldunfähigkeit! Aber auch diese Auflösung erweist sich nur als Zwischenschritt bei der Entblätterung der vielfältigen Wahrheits- und Wirklichkeitskonstruktionen in diesem Film. „Niemand kann ein Gesicht für sich selbst und eines für die Menge aufsetzen, ohne am Ende nicht in Zweifel darüber zu geraten, welches denn nun das echte sein mag“ – dieses Zitat von Nathaniel Hawthorne aus Der scharlachrote Buchstabe, das im  Prozess vorkommt, markiert das zentrale Dilemma, das dieser Film furios entwickelt und das zu nachhaltigen Erschütterungen im Wahrheitsverständnis des Anwalts und des Zuschauers führt.

 

Einführung und Diskussion: Mathias Lohmer und Vivian Pramataroff-Hamburger 

Zeit & Ort

Datum, Uhrzeit 22.11.2026, 17:00
Veranstaltungsort Filmmuseum München